Hotel Blog "Anno 1698"

Wissenswertes über das Haus und die Umgebung.

Ludorf und die Slawen

Ludorf und die Slawen

Noch vor der Zeit der Gutshäuser und Herrenhäuser, lebten in Mecklenburg die Volksstämme der Slawen. Seit Mitte des 6. Jahrhunderts wanderten viele Slawen von Südosten her kommend, aus Mitteleuropa, in die Gebiete des heutigen Nordostdeutschlands ein. Seit dem 7. Jahrhundert bildeten sich aus den slawischen Einwanderern, auch Wenden oder Elbslawen genannt, verschiedene Stammesverbände heraus. So gab es beispielsweise in der brandenburgischen Lausitz die Lausitzi, an der Havel die Heveller und auf der Insel Rügen die Ruganen. In Mecklenburg und dem östlichen Holstein, siedelte vom 8. bis 12. Jahrhundert der Stammesverband der Obodriten. Deren Hauptstadt und Sitz war von jeher die Burg vom Dorf Mecklenburg, bei der heutigen Landeshauptstadt Schwerin.


Wie lebten die Slawen?

Die wirtschaftliche Grundlage der Slawen war Ackerbau und Viehzucht. Besonders geschickt waren sie außerdem bei der Töpferei und Holzverarbeitung. Das ist nicht weiter verwunderlich, so waren doch große Teile des Nordosten Deutschlands zur damaligen Zeit von dichtem Wald bedeckt. Gesiedelt wurde vor allem an den Flussniederungen und zahlreichen Seen des Landes, weshalb auch die Fischerei eine große Rolle spielte. Die Siedlungen lagen in der Regel in der Nähe eines politischen und wirtschaftlichen Zentrums, einer Burg. Auch heute sind die slawischen Wallanlagen an einigen Orten noch gut zu erkennen, zum Beispiel auf der Burgwallinsel bei Vipperow oder der nordwestlich von Ludorf gelegenen Halbinsel Steinhorn.


Die Morizaner

​Der Name unseres Restaurants „Morizaner", stammt von der Bezeichnung des slawischen Stammes, der das Gebiet rund um die Müritz besiedelte. Der Name des großen Binnensees Müritz, kommt vom slawischen „morze" und bedeutet kleines Meer. Die zu Ludorf gehörende Halbinsel Steinhorn, weist noch Teile einer alten Wallanlage auf und könnte einmal eine der Hauptwehranlagen der Morizaner gewesen sein. Den größten Teil davon jedoch hat die Müritz über Jahrhunderte weggespült. Auch der Ortsname Ludorf ist slawischen Ursprungs und wird abgeleitet vom slawischen Wort „Lug", d.h, Dorf am Bruch. Als Bruch wird ein am Wasser liegendes Gehölz bezeichnet. Auch andere Orts- und Flurnamen sind slawischen Ursprungs, so wie Orte mit der Endung -ow (Mirow, Malchow, Zielow) oder -tin (Zarrentin, Varchentin, Nossentin).


Der Untergang der Slawen

​Mit Beginn des 12. Jahrhunderts war das Obodritenreich geschwächt, denn nach dem Tode des letzten großen Herrschers Heinrichs, zerfiel das Reich in zwei Teile. Im Westen herrschte sein Neffe Pribislaw und im Osten Stammesfürst Niklot. Diese Lage nutzten der deutsche Kaiser Barbarossa und der von ihm beauftragte Sachsenkönig Heinrich der Löwe, um die heidnischen Slawen endlich zu unterwerfen und neuen deutschen Siedlungsraum erschließen zu können. Es wurde sogar ein Kreuzzug ausgerufen, auch bekannt als der Wendenkreuzzug. Sächsische, Westfälische und Rheinländische Ritter kamen ins Land und führten schließlich das Ende der slawischen Herrschaft herbei. 

Als Ergebnis dieses Kreuzzugs, wurde Pribislaw, der Sohn des geschlagenen Slawenfürsten Niklot, zum christlichen Glauben gezwungen und bekam Mecklenburg als Lehen. So entstand das Haus Mecklenburg und die obodritische Abstammung der Herzöge von Mecklenburg, auf welche sich diese später immer wieder beriefen. Die am Wendenkreuzzug teilnehmenden Ritter bekamen für ihre Dienste Land als Lehen, aus denen später die großen Güter entstanden. Hier endet die Geschichte der Slawen und beginnt die Geschichte der mecklenburgischen Adelsfamilien mit ihren Landgütern. 

Um die deutsche Herrschaft noch weiter zu festigen, wurden Siedler aus Niedersachsen, Brandenburg, Flandern und Westfalen ins Land geholt. In ihren Herkunftsländern nämlich gab es für die Siedler im Gegensatz zu Mecklenburg einen sehr geringen Anteil an Grund und Boden. Die slawische Kultur ging so langsam unter und in der deutschen Kultur auf. Die slawische Sprache hielt sich noch einige Zeit, wurde jedoch langsam abgelöst, nur in den Ortsnamen ist sie geblieben. Auch der Stierkopf, einst das Symbol der slawischen Herrscher, ist noch heute das Wappentier Mecklenburgs.


Der Ritter von Morin

​Eins der schönsten Zimmer im Romantik Hotel Gutshaus Ludorf ist das Ritter von Morin Zimmer. Es ist benannt nach einem der mit Heinrich dem Löwen ins Land gekommenen Ritter aus Thüringen, der für seine Dienste reich mit Land rund um die Müritz belohnt worden war. Hier beginnt auch erst die dokumentierte Ludorfer Geschichte. Jedenfalls wird der Ort Morin 1224 und 1274 im Zusammenhang mit Henning bzw. Heinrich Morin als Ritter in einer Schenkung das erste mal erwähnt. Morin ist slawisch und bedeutet Meerdorf, so nannte sich das kleine Fischerdorf an der Müritz, bestehend aus einer kleinen Siedlung und einer Niederungsburg, die dem Adelsgeschlecht der Morins für fast 400 Jahre als Stammsitz diente. Sie ist heute noch zu besichtigen, zumindest der übrig gebliebene Turmhügel, mit dem ihn umgebenden Wassergraben. Ein Nachfahre dieses ersten Ritters von Morin, Wipert von Morin, war es auch, der etwas außerhalb des alten Dorfes die heutige Ludorfer Kirche bauen ließ und damit den Grundstein für den später entstandenen Ort Ludorf legte. 

Siehe Blogbeitrag: "Die Ludorfer Kirche und die Pilgerfahrt Heinrich des Löwen nach Jerusalem"


Blog teilen:

Segeln auf der Müritz
Der Kranichzug im Herbst

Kommentare 1

 
Gäste - Fink am Sonntag, 06. September 2015 11:58

Danke für den Beitrag. Das war ja eine meiner Fragen an Sie Ende Juli. Besten Gruß Stephan Fink

Danke für den Beitrag. Das war ja eine meiner Fragen an Sie Ende Juli. Besten Gruß Stephan Fink
Bereits registriert? Hier einloggen
Gäste
Sonntag, 19. November 2017
If you'd like to register, please fill in the username and name fields.